Die stolze Geschichte des Rebguts Lauda

Im Jahr 2011 wurde das ehemalige staatliche Weinversuchsgut Lauda, von den Einheimischen kurz Rebgut genannt, 80 Jahre alt. Anfang des 19. Jahrhunderts war das Taubertal mit fast 7.000 Hektar das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet Deutschlands. Einhundert Jahr später war diese Fläche auf nur noch 500 Hektar zusammengeschrumpft. Um diesen Negativtrend umzukehren wurde am 10. Juli 1930 die Außenstelle der „Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg" vom damaligen badischen Staatspräsidenten und gebürtigem „Laudemer", Dr. Josef Schmitt, eingeweiht.

Die erfolgreiche Arbeit des Rebguts unter der Trägerschaft des Landes Baden-Württembergs war in Fachkreisen anerkannt und viele renommierte Winzer kennen die Weinberge persönlich. In den siebziger Jahren wurde durch das Weinversuchsgut Lauda die Rebsorte „Tauberschwarz" vor dem Aussterben bewahrt. Heute erfreut sie sich großer Beliebtheit und ist die einzige Rebsorte mit der Bezeichnung ihres Anbaugebiets im Namen.

Doch nach dem frühen Tod von Werner Vögtlin im August 2002 verblasste der Glanz und vor allem das stolze, denkmalgeschützte Bauwerk direkt an der Rebgutstraße verfiel zusehends. Schon mehrere Winter konnte das schmucke Verwaltungs- und Wohngebäude nicht beheizt werden, weil der ehemalige Pächter kein Geld für Heizöl hatte und die Heizkörper aufgefroren waren.

Am 21. Juli 2007 wurde das Rebgut mit seinen Gebäuden und rund 6 Hektar Rebflächen in der Lokalzeitung schließlich zum Verkauf ausgeschrieben. Bei dem Laudaer Winzer Karlheinz Sack und dem Unternehmer Dr. Gunther Wobser entstand die Idee, gemeinsam dem Rebgut neues Leben einzuhauchen. Aufgrund der schwierigen rechtlichen Situation mit dem letzten Pächter zog sich das Verfahren lange hin. Da der ehemalige Eigentümer, das Land Baden-Württemberg, sich bei den Kaufpreisvorstelllungen zudem anfänglich unbeweglich zeigte, schien die Rettungsaktion schon gescheitert und es herrschte lange Funkstille. Doch dann kam im August 2009 überraschend Leben in das bereits totgeglaubte Projekt. Es standen weitere Verhandlungen an, die durch die Stadt Lauda-Königshofen, die ein großes Interesse an einer langfristigen Nutzung des Rebguts hat, unterstützt wurden. Fast das endgültige Scheitern, aber zumindest einige Monate Verzögerung brachte die Entdeckung verschiedener Altlasten auf dem bebauten Gelände, die wegen des zunächst nicht kalkulierbaren Risikos für den potenziellen Käufer genau bestimmt werden mussten. Glücklicherweise wurde Anfang März 2010 der Verkauf notariell vollzogen. Wie geplant kaufte Karlheinz Sack die Rebflächen und baut die Trauben auf dem bestehenden Betrieb in der Bahnhofstraße Lauda aus. Dr. Gunther Wobser erwarb den bebauten Grund sowie eine kleine Versuchsrebfläche, die unmittelbar an die Gebäude anschließt

Meilensteine:

10. Juli 1930

Zur Wiederbelebung und Förderung des Weinbaus wird am 10. Juli 1930 das Staatliche Rebgut in Lauda eröffnet. Es umfasste ursprünglich 4,6 Hektar.

 

1930 BIS 1994

Von 1930 bis 1994 wird das Rebgut Lauda als staatliches Weinversuchsgut von verschiedenen Verwaltern geführt. Der Mann der ersten Stunde ist Heinrich Vetter. Ihm folgt von 1940 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Weinbauinspektor Erwin Brunner als Rebgutverwalter. Danach lösen sich die Landwirtschaftsräte Kaufmann und Dr. Bruns sowie Weinbaufachmann Franz Rebafka ab. Umfassende Aufbauarbeit leistet anschließend Regierungsamtmann Karl Dietrich bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1973. Unter Karl Dietrich werden in der späteren „Probierstube“ junge Winzer geschult, auch gibt es bereits einen regen Weinverkauf. Ihm folgt von 1972 bis 1979 Paul Schauber und ab 1979 Weinbaumeister Werner Vögtlin.

 

1979 BIS 1994

Werner Vögtlin verwaltet das Staatliche Rebgut von 1979 bis 1994, um es dann ab 1994 - vom Land Baden Württemberg gepachtet - als Weingut Vögtlin in Eigenregie zu betreiben. In dieser Zeit wird weiterhin intensiv Weinbau betrieben und der Wein direkt vermarktet. Das Weingut Vögtlin ist ein anerkannter Ausbildungsbetrieb bildet in der gesamten Zeit 18 Auszubildende aus. Die Familie Vögtlin betrieb zweimal im Jahr eine überaus erfolgreiche Besenwirtschaft und veranstaltete einmal im Jahr ein großes Hoffest. Aufgrund des frühen Todes von Werner Vögtlin im August 2002 übergibt Silvia Vögtlin im Januar 2003 die Geschäfte an die Weingut Lauda GmbH & Co. KG.

 

2003 BIS 2008

Die Weingut Lauda GmbH & Co. KG betreibt das Weingut von 2003 bis die Gesellschaft 2008 in die Insolvenz ging. Seit Ende Oktober 2008 stehen die Gebäude leer. Die Rebflächen werden im Auftrag des Landes vom Weinbaubetrieb Karlheinz Sack aus Lauda bewirtschaftet.

 

11. März 2010

Am 11. März 2010 kauft Dr. Gunther Wobser vom Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg das ehemalige Weinversuchsgut Lauda und eine Versuchsrebfläche von insgesamt 18 Ar. Die weiteren Rebflächen erwirbt der Winzer Karlheinz Sack, ebenfalls aus Lauda-Königshofen.

 

12. April 2010

Bereits am 12. April 2010 genehmigt der Technische Ausschuss der Stadt Lauda-Königshofen einstimmig die Bauvoranfrage. Allerdings liegen Bedenken eines Anwohners vor, so dass die Bauherren ein Lärmschutzgutachten erstellen müssen.

 

6. Mai 2010

Am 6. Mai 2010 tagt die LEADER-Aktionsgruppe Neckar-Odenwald-Tauber in Waldbrunn. Unter dem Titel "Landlust Lauda" wird das Projekt vorgestellt.

 

10. Juli 2010

Am 10. Juli 2010 feiern die Eigentümer mit 150 Gästen 80 Jahre Rebgut Lauda.

 

10. Mai 2011

Mit Schreiben vom 10. Mai 2011 erteilt das Bauamt des Landratsamts Main-Tauber die Baugenehmigung. Seitdem laufen die Planungen und Ausschreibungen auf Hochtouren. Die Bauleitung für das nach § 2 des Denkmalschutzgesetzes ausgewiesene Kulturdenkmal hat das Architekturbüro Klaus Schreiner mit Sitz in Tauberbischofsheim übernommen.

 

Dezember 2011

Kurz vor Weihnachten 2011 kommt die positive Nachricht: Die Projektförderung im Rahmen von LEADER wurde gewährt.

 

24. Januar 2012

Am 24. Januar 2012 beginnen mit einem feierlichen Spatenstich die umfangreichen Bauarbeiten.

 

Juni 2013

Nach rund 17 Monaten Bauzeit findet am 20. Juni 2013 die offizielle Eröffnung statt. Am Tag der offenen Tür am 22. und 23. Juni 2013 freut sich die einheimische Bevölkerung über das neue Rebgut.

UNSERE PHILOSOPHIE:

Unsere Beweggründe für das Rebgut lesen Sie hier →

FINANZIELLE FÖRDERUNG:

Die Renovierung des Rebguts wurde durch europäische und staatliche Mittel gefördert. Mehr erfahren →

Gedicht von Alfred Wöppel (1920-2011)
"Der Wein vom Altenberg, es ist wirklich wahr,
macht so manchen das Gedächtnis klar.
Ob Gottfried von Aschhausen oder Weihbischof Maier,
Adam Ullrich oder Martin Schleyer,
die Weltsprach' die er schuf,
brachte in den Taubergrund einen Weltenruf.
So mancher, der ihn mit Vernunft auch trank
und bewahrte seinen Verstand,
der gesteht auch ein,
das kann nur die Wirkung vom Altenberger Wein sein"

IMPRESSIONEN:

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