5 Pfannen von Gusto für das Rebgut

Hier die Bewertung des Gusto im Detail:
Dass das ehemalige staatliche Weinversuchsgut auf eine über 80-jährige Geschichte zurückblicken kann, offenbart sich erst auf den zweiten Blick. Denn im geschmackvoll modernisierten Gastraum verweisen allenfalls einige Schwarzweiß-Fotos auf die bewegte Historie des Hauses. Die Entscheidung, das in die Jahre gekommene Anwesen von Grund auf zu renovieren, hat sich aber zweifellos gelohnt: die denkmalgeschützten Räumlichkeiten bieten nun nämlich nicht nur viel Platz für die regelmäßig stattfindenden Weinproben, sondern eben auch für die Kreationen von Küchenchef Christian Hedderich.
Dieser gibt sich gerne regional geerdet, ist aber auch für Einflüsse aus anderen Richtungen offen und kann mit diesem Stilmix durchaus überzeugen. Noch etwas unausgewogen zeigte sich heuer zu Beginn die Kombination von mariniertem Kabeljaufilet und sehr süßem Wasabi-Rauke-Eis zu sahniger Selleriemousse und geschwenktem Kräutersalat. Hier hätte ein zitrisches Element oder ein wenig mehr Schärfe dem Teller gut getan. Sehr viel stringenter und mit klarem Blick für den jeweiligen Charakter kam die Suppentrilogie auf den Tisch, bei der eine sahnig-seidige Kartoffelcremesuppe neben einer fruchtig-säuerlichen Tomatenessenz und würzigem Kräuterschaum aufgetragen wurde.
Noch eine Schippe drauf legte das Küchenteam anschließend beim exakt auf den Punkt gebrachten Wolfsbarschfilet "Asia Style": mit dezent süßlicher Mango-Paprika-Salsa und einem kräftig geflämmten Gemüse-Mix aus Mini-Aubergine, Shiitake und Thaispargel zeigte sich das Gespür für korrekte Garpunkte und stimmige Aromenkombinationen. Fein! Genauso gut gelang die langsam geschmorte, aber glücklicherweise nicht „weichgespülte“, sondern noch homogen bissfeste Short-Rib vom US-Beef unter rauchigem BBQ-Lack. Dass die Begleitung durch gegrillte Avocadofilets, knackige Mini-Paprika und sämig erdendes Erbsenpüree einen stimmigen Rahmen bildeten und alle wichtigen Geschmackspunkte besetzten, zeigte den geschärften Blick der Küche fürs Wesentliche.
Und schließlich bot auch der süße Abschluss mit einer locker-leichten Schokoladenvariation (saftig-fluffiger, Kuchen, dunkles Mousse, weißes Eis...) einen Abschluss auf Augenhöhe, der die diesjährige Auszeichnung ebenfalls rechtfertigte. Mit Gastgeber und Sommelier Christian Rudert hat das Haus zu alledem einen ausgesprochenen Fachmann vorzuweisen, der gerne mit der ein oder anderen unbekannten Flasche aus der Umgebung aufwartet, sich aber auch mit weiter gereisten Tropfen bestens auskennt.

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INFOS:
Start-Datum 27.01.2017
Uhrzeit 9:00 Uhr
Kategorie Allgemein
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